Offene Räume aus Licht und Klang
Hans Tutschku (*1966 in Weimar) ist Komponist, Musiker und bildender Künstler. Seit mehr als vier Jahrzehnten erforscht er Klang als Material und räumliche Erfahrung. Die Ausstellung Offene Räume aus Licht und Klang in der ACC Galerie Weimar widmet seinem vielseitigen Schaffen erstmals in seiner Heimatstadt eine umfassende Präsentation. Tutschku schafft reale wie imaginäre Räume, in denen Klang, Licht, Bewegung und Zeit ineinandergreifen. Seine Arbeiten laden dazu ein, Wahrnehmung neu zu erfahren: Hören wird zum Ritual, Zuhören zu einem Moment der Hingabe, der Entdeckung und des Innehaltens. In seinen elektroakustischen Kompositionen verbindet und transformiert er Aufnahmen aus unterschiedlichsten Regionen und kulturellen Kontexten mit synthetisch erzeugten Klängen. Bereits mit 15 Jahren begann Tutschku mit analogen Synthesizern zu arbeiten, seit 1982 gehört er dem Ensemble für Intuitive Musik Weimar an. Mit der ACC Galerie Weimar verbindet ihn eine lange Geschichte: 1989 komponierte er für die Ausstellung Trabant-Motoren sein Requiem für ein Auto. Seit 2004 lehrt Hans Tutschku an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, seit 2026 als Research Professor. Soundscapes, Keramik, Improvisation, Dada, Computer, Rituale und Fotografie bilden Nervenbahnen, die sich durch viele seiner Arbeiten ziehen und ihre Vielgestaltigkeit miteinander verbinden. Kinderzeichnungen, Fotografien aus der DDR-Zeit, frühe künstlerische Experimente und aktuelle Installationen treten dabei in einen offenen Dialog. In «Langsame Wandlungen» öffnet sich ein Licht- und Klangraum, in dem beide Medien eigenständig bleiben und dennoch miteinander korrespondieren. «Doppelspiegel» nimmt das Bild der Besucher auf und verwandelt es in eine räumliche, abstrakte Animation; «Waldstück mit Klavier» entfaltet ein wandelbares mechanisches Klangbiotop. «Klangholz für tastende Hände» ist zugleich Holzskulptur und neu geschaffenes Instrument: Besuchende können es hörend und tastend erkunden und ihm einfache bis komplexe Klangschichten entlocken. So entsteht ein persönliches Geflecht aus Erinnerung, technischer Erfindung und künstlerischer Freiheit – und zugleich Raum für die Wahrnehmungen, Erinnerungen und Vorstellungen der Besuchenden.