Eine große Karte von China aus der Goethe-Zeit
Die Karte, die vermutlich um 1818 entstand, ist keine auf astronomischer Längen- und Breitenmessung beruhende Vermessungskarte. Sie wurde nach einem traditionellen chinesischen Rasterverfahren ausgeführt, das ein quadratisches Gitternetz auf einer als eben gedachten Erdoberfläche als kartographische Grundlage verwendet. Die Karte stellt das Territorium des Qing-Reiches in seiner größten Ausdehnung im 18. Jahrhundert in den Mittelpunkt, ergänzt durch die Anordnung Europas und weiterer Regionen Asiens am Rand. Die Karte zeigt somit – anders als Weltkarten im westlichen Sinne – ein weltbezogenes Ordnungsmodell mit China im Zentrum. Unterhalb des ersten Querformats befindet sich eine Beischrift, die keinen Urheberschaftsvermerk darstellt, sondern einen eher kommentierenden Charakter trägt. In ihrem Vortrag erläutert die Germanistin und Goethe-Forscherin der University of Tokyo Professor Dr. Aeka Ishihara Überlieferung, Systematik und Bedeutung der chinesischen Holzschnittkarte.